Ein runder Geburtstag. Die beiden Männer gehörten zu den geladenen Gästen. Sie saßen sich an dem schön gedeckten Tisch im Restaurant gegenüber. Lange Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Beide Männer waren ohne Frauen zur Feier gekommen. Witwer der eine, vermutlich geschieden der andere. Während des Essens unterhielten sie sich.
Witwer sei er, erzählte der am Fenster. Seine Frau hatte Krebs. Der Geschiedene bedauerte ihn. Das war sicher hart für ihn. Ja, meinte der Witwer. 1400 Euro hätte der Arzt für jede einzelne Chemotherapie abgerechnet. Nicht zu fassen. Diese Ärzte, das sind doch alles Geldschneider. Und man kann sich nicht dagegen wehren. Kein Wort des Bedauerns oder des Mitgefühls der Verstorbenen gegenüber. Nur der finanzielle Verlust wurde in bewegten Worten beklagt.
Ist das alles, was bleibt? Nur ein finanzieller Verlust? Ist es das, was bleibt nach 40 oder mehr Jahren Ehe? Ich kann nur hoffen, dass die Verstorbene Töchter oder Söhne oder Freundinnen hatte, die sich an mehr erinnern, als an ein geschrumpftes Bankkonto. Vielleicht erinnern sie sich an ein Lächeln, an Bücher, die sie gern las, an ihre Stimme, an Blumen, die sie besonders geliebt hat. Spuren eines Lebens – Spuren eines Menschen.